“Jetzt bauen wir den Frauen schon so schöne Frauenhäuser und dann müssen wir sie hineinprügeln!”
progress-online.at:
Internetplattformen spielen für die Vernetzung der Väterrechtsbewegung eine wichtige Rolle. Das Spektrum der Einträge reicht von antidemokratischen, faschistoiden Aussagen bis zu Drohungen, Verleumdungen und Diffamierungen verschiedener Personen. Gemeinsam ist den meisten Postings der unverblümten Hass auf Frauen. Einige Plattformen machen keinen Hehl aus ihrer sexistischen, zum Teil rechtsextremen Ausrichtung, andere geben sich liberaler.
Viele Forderungen zielen auf die Einschränkung von weiblicher Selbstbestimmung und auf Macht über Frauen ab. […] Ein Kind brauche einen Vater, so eine der Kernbotschaften der Väterrechtsbewegung. Andreas Kemper, kritischer Männlichkeitsforscher aus Deutschland, hält die Argumentationen von Väterrechtlern für biologistisch: Biologische Vaterschaft werde idealisiert und über soziale Elternschaft gestellt. Pseudowissenschaftliche Ansätze, die behaupten, Kinder von Alleinerzieherinnen würden sehr viel wahrscheinlicher an ADHS leiden und wären einer größeren Selbstmordgefahr ausgesetzt, stützen diese Argumentation. In Medizin und Wissenschaft sind solche Behauptungen allerdings nicht anerkannt. Die Qualität des Kontaktes zum Vater wird dabei von Väterrechtlern vollkommen außer Acht gelassen.
Gewalt sei der häufigste Grund, warum Besuchsrechte verweigert würden. Gewalt ist in der Väterrechtsbewegung ein viel diskutiertes Thema. Mit falschen Zahlen wird argumentiert, Männer seien hauptsächlich Opfer. Durch die von den Väterrechtlern vorgenommene Umkehrung der Täter und Opfer wird männliche Gewalt gegen Frauen und Kinder von diesen vollkommen negiert.
Die Verharmlosung von Gewalt geht auch mit der Diffamierung und offenen Bekämpfung von Frauenhäusern einher. Häufig wird die Abschaffung von Frauenhäusern gefordert, noch häufiger werden Adressen von Frauenhäusern mitsamt Fotos und Lageplänen im Internet verbreitet. Es stellt sich die Frage, wie die Verharmlosung von Gewalt und der Kampf gegen Gewaltschutzeinrichtungen mit dem Wohl des Kindes vereinbar sind.
taz.de:
Die Organisierung und Ausbreitung einer konservativ-radikalen Väterrechtsbewegung, die die Rechte der biologischen Väter ohne die Pflichten stärken wollen, fördert die Entrechtung der alleinerziehenden Mütter und führt zu einer Repatriachalisierung der Geschlechterverhältnisse durch die Hintertür des Sorge- und Umgangsrechts. Einseitig und zum Nachteil der von physischer und psychischer Gewalt betroffenen Frauen und Kinder gehen die Väterrechtler von dem Leitbild einer gemeinsamen, gleichberechtigten und kooperativen Elternschaft auch nach der Trennung aus. Dafür steht das Cochemer Modell. Völlig ausgeblendet wird dabei, dass in konfliktreichen und von Gewalt geprägten Beziehungen die Gewaltverhältnisse auch nach einer Trennung weiterwirken.
Dazu kommt, dass auch sehr gewalttätigen Vätern mittlerweile fast immer von den Familiengerichten ein Umgangsrecht zugestanden wird. Von Gerichten, GutachterInnen, Verfahrensbeiständen und oft auch von Jugendämtern wird die Bedrohung und Gefahr, die von gewaltbereiten Expartnern ausgehen kann, häufig völlig unterschätzt, oder den Müttern wird einfach nicht geglaubt. Immer noch wird davon ausgegangen, dass ein misshandelnder Ehemann trotzdem ein liebevoller Vater sein kann und dass eine Unterbrechung des Umgangskontakts zu dem getrennt lebenden (biologischen) Vater für die Kinder grundsätzlich schädlicher sei als die vom Vater ausgehende Gefahr und Bedrohung im Umgangskontakt.
Deshalb werden selbst Kinder, die mit ihren Müttern in ein Frauenhaus geflüchtet sind, auch gegen ihren Willen in den Kontakt mit gewalttätigen Vätern gezwungen. Widersetzen sich die Mütter derartigen gerichtlichen Entscheidungen, um ihre Kinder zu schützen, so drohen ihnen Geldstrafen, die Herausgabe des Kindes unter Einsatz staatlichen Zwangs bis hin zu Sorgerechtsentzug und Ordnungshaft.
diepresse.com (Artikel von 2010):
Herwig Baumgartner wird die Bildung einer kriminellen Organisation vorgeworfen: Der Väteraktivist ist mit einer Homepage, einem Buch („Anklage gegen Österreich“) sowie Anzeigen gegen Richter und Politiker aktiv geworden. […] Seit sieben Monaten sitzt Baumgartner nun in Untersuchungshaft. Weil er während dieser Zeit seine Mutter nicht habe anrufen dürfen, warf er dem Richter Verletzung der Menschenrechte vor: „Herr Rat, Sie quälen mich.“
“Die Doku verdeutlicht, dass hinter Vätergruppen wie "SOS Papa” aus Frankreich oder der britischen “Fathers for Justice” nicht der verantwortungsbewusste Vater steht. Den Forderungen solcher Vereine nach Kontrolle und Mitbestimmung über Schwangerschaft und Schwangerschaftsabbruch, nach Aufenthalt der Ex-Partnerin, stellen die Filmemacher die Einordnungen von Psychologen und Soziologen gegenüber. Diese erkennen hierin nicht die Sorge ums Kind als vielmehr eine Bewegung, die sich gegen Frauen und die weibliche Gleichstellung richtet.“ https://www.youtube.com/attribution_link?a=OitD4cQAdZs&u=%2Fwatch%3Fv%3DHVIVpHTnY0U%26feature%3Dshare